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In dieser Rubrik werde ich ab und zu
etwas zu meiner Fototechnik schreiben und hoffe, Ihnen damit die eine
oder andere Anregung geben zu können.
PDF-Artikel über die
Burgen-Panorama-Infrarot-Fotografie aus der SCHWARZWEISS Nr. 76
( 555KB)
PDF-Artikel "Tonwert- und
Kontraststeuerung
mit Filtern" Teil II aus der SCHWARZWEISS Nr. 60
( 252KB)
PDF-Artikel "Tonwert- und
Kontraststeuerung mit Filtern" Teil I aus der SCHWARZWEISS Nr. 59
( 142KB)
PDF-Artikel "Die Perspektive" aus der
SCHWARZWEISS Nr. 51
( 908KB)
PDF-Artikel Teil V (Ende) meiner
Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus
der Fine Art Foto 2/2006
( 251KB)
PDF-Artikel Teil IV meiner
Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus
der Fine Art Foto 1/2006
( 308KB)
PDF-Artikel Teil III meiner
Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus
der Fine Art Foto 4/2005
( 319KB)
PDF-Artikel Teil II meiner
Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus
der Fine Art Foto 3/2005
( 344KB)
PDF-Artikel Teil I meiner
Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus
der Fine Art Foto 2/2005
( 278KB)
PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 49
über die Nachtaufnahmetechnik
( 1027KB)
PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS 48 "Von
der Aufnahme zum feinen Bild"
( 511KB)
PDF-Artikel meines Workshops "Von der
Aufnahme zum feinen Bild" aus der SCHWARZWEISS 41
( 488KB)
PDF-Artikel aus der Fine Art Foto 1/2005
Sehen, Erkennen, Gestalten
( 78KB)
PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 43
über die neuen Moersch Positiventwickler Separol
( 1015KB)
PDF-Artikel aus der Fine Art Foto 2/2004:
Die Vorbelichtung von Schwarzweißfilmen als Mittel der
Kontraststeuerung
( 166KB)
PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 36:
MZB – ein neuer Negativentwickler mit eingebautem
Kontrastausgleich
( 233KB)
PDF-Artikel aus der Fine Art Foto Nr.
2/03:
Nachtaufnahmen in Schwarzweiß
( 147KB)
In der PHOTOGRAPHIE, Ausgabe 5/03 ist
ebenfalls ein Artikel von mir über den Negativentwickler MZB
veröffentlicht worden.
Das Heft kann beim Verlag bezogen werden.
Infrarotfotografie
Aufnahmetechnik und Verarbeitung des
Kodak Schwarzweiss-Infrarotfilms HIE
Wer kennt sie nicht, jene Fotografien mit
dem surrealen Charakter schneeweißer Sommerlandschaften mit
tiefschwarzem Himmel,
die mit ihren hohen Kontrasten und herrlichen Überstrahlungen
den Betrachter regelrecht anleuchten? Man muss sie nicht
mögen, aber sehr viele Betrachter sind von diesen Bildern
regelrecht fasziniert, denn sie sprechen die Gefühlsebene
an wie kaum eine andere Bildtechnik.
Allerdings steht der Kodak Infrarot-Film in dem Ruf, schwierig zu
verarbeiten, ja geradezu kapriziös zu sein, was viele davon
abhält,
ihn auszuprobieren. Noch vor kurzem konnte man lesen, er sei im
Handling sehr schwierig, was so pauschal keineswegs zutrifft.
Allenfalls ist er ein klein wenig ein Sensibelchen. Wenn man sich aber
auf ihn eingestellt hat, kann aus dem Sensibelchen durchaus ein
verläßlicher Partner werden, mit dem man viel Freude
haben kann.
Die folgenden Ausführungen wollen Ihnen hierzu handfeste und
nachvollziehbare Tipps geben.
Die Sonne strahlt eine Unzahl von elektromagnetischen Wellen aus, von
denen wir nur einen ganz geringen Teil visuell wahrnehmen
können.
Diese sichtbaren Wellen, wir nennen sie das Licht, haben eine
Wellenlänge von ca. 380 - 730 Nanometer ( nm ). Ein Nanometer
ist der millionste Teil eines Millimeters. Dieses sichtbare Spektrum
setzt sich wiederum aus verschiedenen Farben
zusammen, die jede eine bestimmte Wellenlänge hat. Von violett
über blau, grün, gelb, orange und rot nimmt die
Wellenlänge zu. An die
kurzwellige Seite des sichtbaren Spektrums, also an violett, grenzt das
unsichtbare ultraviolette Licht ( UV-Licht ) an, das zwar nicht
vom Menschen, wohl aber von den Filmen wahrgenommen wird. An den
langwelligen ebenfalls noch sichtbaren Bereich des roten Lichtes grenzt
der unsichtbare Infrarot-Bereich. Der Infrarot-Bereich seinerseits wird
unterteilt in einem dem sichtbaren Spektrum nahen Bereich, für
den der Infrarot-Film teilweise ( bis 900 nm ) sensibilisiert ist und
einen fernen Infrarot-Bereich, den wir als Wärme empfinden.
Weil
der Infrarot-Film nur bis 900 nm sensibilisiert ist, kann er keine
infraroten Wärmestrahlungen wiedergeben.
Im Prinzip ist er ein normaler Schwarzweiß-Film mit einer in
den nahen Infrarot-Bereich erweiterten Sensibilisierung.
Bedingt durch die notwendige Filterung, gibt er allerdings die Farben
in etwas anderen Grautönen wieder als ein normaler
panchromatischer
Schwarzweiß-Film. So kommen violette, blaue und
grüne Farben fast schwarz, ebenso dunkle
Naturfaser-Materialien, während rötliche
Gegenstände,
viele synthetische Stoffe und die menschliche Haut deutlich aufgehellt
werden. Lebendes Grün hingegen reflektiert sehr viel
infrarotes Licht
und wird daher fast weiß wiedergegeben ( Wood-Effekt ). Die
Vielfalt der Tonwerte wird durch den Film vermehrt in Richtung Schwarz
oder Weiß reduziert, so dass Infrarotbilder schon deshalb
kontrastreicher wirken als normale Schwarzweißbilder.
Zur Belichtung:
Da der Infrarot-Film für das
sichtbare Licht stärker
sensibilisiert ist als für das nichtsichtbare infrarote
Spektrum, muss zunächst dafür Sorge
getragen werden, dass das sichtbare Licht weitestgehend oder ganz
ausgesperrt wird. Nur so kann das infrarote Licht überhaupt
bildwirksam werden.
Dies geschieht durch Verwendung entweder eines Rotfilters 25 A, der das
ultraviolette, violette, blaue und grüne Licht sperrt oder
durch einen
Schwarzfilter 87, der alles sichtbare Licht, also auch das
rötliche Spektrum, aussperrt und nur reines infrarotes Licht
passieren lässt. Ohne
Filter wirken die Infrarot-Bilder fast wie normale,
grobkörnige Schwarzweiß-Bilder.
Die Frage, welchen Filter man sinnvollerweise verwenden sollte, ist
schnell entschieden, denn der Schwarzfilter 87 ist in seiner
Bildwirkung
nicht wesentlich besser als der Rotfilter 25 A.
Zwar werden sonnenbeschienene Laubbäume eine Spur
weißer wiedergegeben als mit dem Rotfilter
( bei bedecktem Himmel unterscheidet sich die Bildwirkung beider Filter
so gut wie nicht ), aber der Schwarzfilter beschränkt deutlich
die
Aufnahmemöglichkeiten, weil man die Belichtungsmessung nicht
verwenden kann. Der Schwarzfilter sperrt ja alles sichtbare Licht, man
kann also
nicht durch den Filter durchsehen und auch der Belichtungsmesser, der
ebenfalls nur das sichtbare Spektrum wahrnimmt, ist sozusagen blind.
Ein Stativ ist also unumgänglich, der Schwarzfilter eignet
sich daher nur für statische Motive.
Apropos Stativ: Ich rate dringend dazu, stets ein
solches zu benutzen, denn auch mit Rotfilter hat der Film nur eine
ausnutzbare Empfindlichkeit
von ca.18 DIN/50 ASA. Wenn man dann noch wegen der Fokusdifferenz, auf
die ich später noch zu sprechen komme, sicherheitshalber stark
abblendet,
so kann man selbst bei Sonnenschein leicht in den Bereich unsicherer
Belichtungszeiten kommen. Infrarotfotografie ist wegen dieser
Fokusdifferenz
ohnehin keine Schnellschussfotografie, so dass man in den meisten
Fällen schon motivbedingt Zeit hat, ein Stativ aufzustellen.
Und warum auf etwas verzichten, was
stets optimale Bildschärfe garantiert?
Kodak fordert in seinen Datenblättern ultimativ, dass die
Belichtung ohne Filter mit einer Empfindlichkeitseinstellung von 18
DIN/50 ASA für
den Rotfilter 25 A vorzunehmen ist und warnt andernfalls vor
Überbelichtungen. Eine solche externe Belichtungsmessung ist
meines Erachtens
absolut nicht nötig, man kann ohne weiteres mit aufgesetztem
Rotfilter durch das Objektiv messen, wobei 27 DIN/400 ASA
als Richtwert einzustellen
ist. Da der Rotfilter 25 A einen durchschnittlichen
Verlängerungsfaktor von 8x, also 3 Lichtwerten, aufweist,
entspricht dies im Ergebnis,
jedenfalls was die ausnutzbare Empfindlichkeit anbelangt, den Angaben
von Kodak, nur ist die TTL-Messung wesentlich bequemer und
erschließt
in Grenzen auch bewegte Motive. Zu beachten ist, dass Mehrfeldmessungen
ungeeignet sind, weil der dichte Rotfilter diesen "Nachtaufnahmen"
vorgaukelt und die Mehrfeldmessungen dann zu stark gegenlenken. Am
unproblematischsten funktioniert eine mittenbetonte Integralmessung,
aber auch die Spotmessung ist, mit Bedacht angewandt, sehr gut geeignet.
Der Infrarotanteil des Lichtes lässt sich ohnehin nicht exakt
bestimmen bzw. messen. Bei der Belichtungsmessung macht man sich
einfach
die Erkenntnis zunutze, dass in den meisten Fällen vom Anteil
des messbaren sichtbaren Lichtes auf den Anteil des unmessbaren
unsichtbaren
infraroten Lichtes geschlossen werden kann. Alles Weitere sind
Erfahrungswerte, auf die ich noch eingehen werde.
Nicht schaden kann es, wenn man sich ausserdem über die
Besonderheiten des Schwärzungsverhaltens des
Infrarot-Filmes im Klaren ist.
Der geradlinige Bereich der Schwärzungskurve, der Bereich der
proportionalen Belichtung also, bei dem eine Verdoppelung der
Belichtung auch
eine Verdoppelung der Schwärzung des Filmes bewirkt, ist beim
Infrarotfilm deutlich kürzer als bei vergleichbaren
panchromatischen Filmen.
Hinzu kommt, dass der Steigungswinkel größer ist,
der Film also auch noch steiler arbeitet. Dies hat die Konsequenz, dass
der vollständige
Motivkontrast so gut wie nie auf diesen geradelinigen Bereich der
Schwärzungskurve zu bringen ist. Er fällt fast immer
auch in den Bereich
des Durchhanges der Schwärzungskurve ( Unterbelichtungsbereich
) bzw. in den ausgeprägten Schulterbereich (
Überbelichtungsbereich ),
mit der Folge von schlecht durchgezeichneten Schatten und ebenso wenig
differenzierten Lichtern. Dies gilt umso mehr, als man mit dem
Infrarot-Film in der Regel bei Sonnenschein fotografiert, unter
Lichtbedingungen also, bei denen ohnehin ein hoher Motivkontrast
vorherrscht.
Für den Positivprozess bedeutet dies die Notwendigkeit eines
umfangreichen Nachbelichtens der Lichter bzw. Abwedelns der Schatten,
wobei
jedoch angemerkt werden muss, dass es nur dort etwas nachzubelichten
bzw. abzuwedeln gibt, wo das Negativ überhaupt noch eine
Zeichnung hat.
Was also tun?
Am Besten, man macht aus der Not eine Tugend, versucht erst gar nicht
die einzig optimale Belichtung zu treffen, die es beim Infrarot-Film
ohnehin nicht im gleichen Maße gibt, wie bei einem
gewöhnlichen Schwarzweiß-Film und macht sich die
besonderen Eigenarten des Infrarot-Filmes zunutze:
Denn je nach eigenem Geschmack oder Bildintention, kann man beim
Infrarot-Film drei Bereiche "richtiger" Belichtung
unterscheiden, die zu völlig
unterschiedlichen Bildergebnissen führen, weil insbesondere
der Kontrast und die Körnigkeit stark differieren, je nachdem
auf welchen Bereich der
Schwärzungskurve das Belichtungsintervall gelegt wird:
· Überbelichtet man den Film (
Belichtungsmessereinstellung 21 DIN/100 ASA ), legt man also das
Belichtungsintervall in die Schulterregion der
Schwärzungskurve, so erhält man kontrastarme
Fotos, die sich durch eine extreme
Körnigkeit auszeichnen. Die Schattenbereiche werden
zwar sehr gut
differenziert, sie werden aber nicht mehr schwarz, sondern grau
wiedergegeben und die Lichter sind nicht mehr ausreichend getrennt,
sondern sie
verweisslichen.
Wem es also auf extreme Körnigkeit ankommt, sollte 2
Lichtwerte überbelichten. Es entsteht dann ein surrealer
Bildeindruck, der sehr reizvoll sein
kann, auch wenn die Schatten keine Kraft haben und der Kontrast sehr
niedrig ist.
· Belichtet man den Film normal ( 27
DIN/400 ASA ), so erhält man ein moderates aber noch
akzentuiertes Korn und einen
relativ normalen Kontrast. Die Schatten sind
kräftig und gut durchgezeichnet und die Lichter so ausreichend
differenziert,
dass sie durch Nachbelichten gut dargestellt werden können.
Man erhält ein ausgewogenes Infrarotbild, das alle
Vorzüge dieser Technik aufweist.
· Unterbelichtet man den Film ( 33
DIN/1600 ASA ), so erzielt man einen sehr hohen Kontrast, verbunden mit
einer deutlich geringeren Körnigkeit.
Die Schatten sind zwar nicht optimal durchgezeichnet, aber tief und so
richtig knackig und die Lichter, die teilweise auf der
Schwärzungskurve nach
links in den Bereich der proportionalen Belichtung gerutscht sind,
sollten beim Vergrößern ggfs. abgehalten werden, um
nicht zu grau zu kommen.
Durch den fehlenden Reflexionslichthofschutz des Infrarot-Filmes kommt
es wegen des hohen Kontrastes zu besonders ausgeprägten
Überstrahlungen; die
Fotos wirken kontrastreich und soft zugleich.
Wie man also belichtet ist weitestgehend Geschmackssache. Die einzigartige
Steuerbarkeit des Infrarotfilmes hinsichtlich des Kontrastes und der
Körnigkeit eröffnet dem Fotografen
Möglichkeiten, die er mit einem gewöhnlichen
Schwarzweiß-Film in solch ausgeprägtem
Maße entbehren muss.
Auf keinen Fall bedarf es ständiger Belichtungsreihen, wie oft
empfohlen wird. Diese kommen im wahrsten Sinne des Wortes nur teuer zu
stehen und
können trotzdem nicht verhindern, dass Negative ab und zu
verschleiert sind oder dass, was selten ist, gar kleine runde
Löcher in der Emulsion
vorkommen. Insoweit bleibt die Infrarot-Fotografie immer etwas
"Erlebnisfotografie" - auch das macht ihren Reiz aus. Hundertprozentig
sicher kann
man nie sein, aber man kann durch Erfahrung, Sorgfalt und
Standardisierung eine sehr hohe Trefferquote erzielen.
Vorsicht ist z.B. immer geboten, wenn man von chlorophyllhaltigem
Blattwerk geradezu umzingelt ist, isb., wenn der offene Himmel von dem
Laubwerk
verdeckt wird. Negative, die unter solchen Bedingungen aufgenommen
werden, neigen mitunter dazu, völlig zuzugehen. Sie sehen dann
aus, als wären
sie nicht nur hoffnungslos überbelichtet, sondern auch noch
unterentwickelt worden. Abhilfe schafft hier aufnahmeseits eine zweite
Belichtung als
Sicherheitsbelichtung, die ca. zweieinhalb Lichtwerte knapper sein
sollte als für die Erstaufnahme gemessen. Das
Tückische dabei ist nur, dass man
auch unter den oben beschriebenen Bedingungen niemals hinreichend
sicher voraussagen kann, ob es zu einer solchen Verschleierung kommt,
so dass die
meisten Sicherheitsbelichtungen umsonst sind. Andererseits
können Negative verschleiert sein, von denen man dies bei der
Aufnahme niemals erwartet hätte.
Ich bin daher dazu übergegangen, auf Sicherheitsbelichtungen
ganz zu verzichten, es sei denn, die Aufnahme verspricht einzigartig
und nicht
wiederholbar zu werden.
Manchmal wird auch empfohlen, am Abend, wenn der Infrarotanteil
zunimmt, knapper zu belichten. Nach meinen Erfahrungen ist dies jedoch
nicht notwendig.
Es besteht vielmehr die Gefahr, dass die Schattenzeichnung durch eine
zu knappe Belichtung zu sehr leidet.
Zum Handling:
Die absolut wichtigste Regel bei der
Infrarot-Fotografie, deren Nichtbefolgung immer bestraft wird, ist die,
dass der Film nur bei absoluter Dunkelheit
in die Kamera eingelegt und aus ihr herausgenommen werden
darf. Der Grund hierfür liegt in dem extrem dünnen
Polyesterträger des Films,
der zur Folge hat, dass dessen Anfangslasche als Lichtleiter fungieren
kann ( so meint es zumindestens Kodak ), bzw. dass das Patronenmaul
nicht dicht genug schließt.
Nach dem Belichten muss der Film sofort in die Patrone
zurückgespult werden. Er darf zur Sicherheit
außerdem nur in der infrarotsicheren
Originaldose verwahrt werden.
Am Besten ist es, den Film stets in einem großen Wechselsack
in die Kamera einzulegen und zu entnehmen. Auf Reisen ist dieses
äußerst nützliche
Teil ohnehin unumgänglich. Die Wechselsäcke der Firma
Brenner, Weiden und die Hama-Modelle sind infrarotsicher. Uhren mit
Leuchtzifferblättern
sind vorher auszuziehen. Bei den Nikon-Modellen F 801s und F-90x,
sollte die Kamera erst eingeschaltet werden, nachdem die
Rückwand geschlossen wurde,
denn es schaltet sich sonst im Dunkeln automatisch die Beleuchtung
für die Sucheranzeige ein. Canon-EOS-Kameras wird nachgesagt,
dass sie für die
Infrarot-Fotografie ungeeignet seien, weil sie für diverse
Steuerungen Infrarotlicht verwenden. Ebenso die Nikon F 80. Dies nur
als Hinweis,
ob es zutrifft, habe ich nicht ausprobieren können. Auch alte
Kamera-Schlitzverschlüsse aus Tuch sind mitunter nicht
infrarotsicher.
Die günstigste Position mit dem Wechselsack ist sitzend, den
Wechselsack mit Inhalt auf den Oberschenkeln aufgelegt.
Der Film sollte stets kühl gehalten
werden, wo immer möglich. Auf Reisen ist eine elektrische
Auto-Kühltasche vorteilhaft,
sie ist aber kein unbedingtes Muss.
War der Film gekühlt, so muss er ( in der Patrone! ) vor dem
Einlegen ca. eineinhalb Stunden akklimatisiert werden. Er sollte
schnellstmöglich
nach dem Belichten verarbeitet werden. Aber auch hierbei ist keine
Hektik angesagt. Eine Entwicklung, die reisebedingt erst 4 Wochen nach
dem
Belichten möglich war, stellt normalerweise kein Problem dar.
Im Grunde genommen will der Infrarot-Film ebenso sorgfältig
behandelt werden,
wie jeder andere Film auch. Dass die Kamera nicht im Hochsommer im
Handschuhfach aufbewahrt und im Winter nicht auf die Heizung gelegt
wird,
versteht sich von selbst. Wer seinen gesunden Menschenverstand
gebraucht und den Film stets so gut behandelt, wie es die
Umstände zulassen,
wird selten Probleme bekommen. Also: Stets kühlen, wo immer
dies möglich ist, aber nie auf die Infrarot-Fotografie
verzichten, nur weil die
Umstände nicht optimal sind! So habe ich Infrarot-Filme ohne
irgendwelche Beanstandungen verwenden können, die im
Gefrierfach gelagert worden
waren und deren Verfallsdatum schon um zwei Jahre
überschritten war.
Kodak empfiehlt, den Film stets bei völliger Dunkelheit zu
verarbeiten. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht
nötig, wenn man eine Kindermann-Edelstahldose
oder einen Jobo-Kipptank benutzt. Beide sind zumindestens bei
schwachem, gelbgrünen Dukalicht infrarotsicher. Beim Einlegen
in die Dose müssen
allerdings auch alle nachleuchtenden Gegenstände (
Uhrenzifferblätter etc. ) entfernt werden.
Als Entwickler eignen sich besonders gut die
sogenannten unechten Feinkornentwickler wie z.B. Kodak D-76 oder X-TOL
bzw. der mit D-76 baugleiche
Ilford ID-11 oder auch Tetenal Ultrafin Plus. Auch Tetenals
Zweibad-Feinkorn-Ausgleichsentwickler Emofin ist zu empfehlen. Wem es
hauptsächlich
auf das Korn, verbunden mit einer beachtlichen Kantenschärfe,
ankommt, der sollte zu Agfa Rodinal greifen ( Agfa macht keine Angaben
zur Dauer der
Entwicklungszeit; eigene Versuche ergaben für Rodinal 1 + 25
sechs Minuten unter Anwendung des Agfa-Kipprhythmus ).
Keinen Sinn macht es, einen Entwickler nach dem anderen auszuprobieren.
Arbeiten Sie sich auf einen ein und bleiben Sie dabei,
so erzielen Sie langfristig die besten Ergebnisse. Wie schon gesagt,
Standardisierung ist besonders bei der Infrarot-Fotografie ein
Erfolgsgeheimnis.
Ich persönlich verwende ausschließlich Kodaks
neueren XTOL-Entwickler, in der Verdünnung 1 + 1. In 9 Minuten
45 Sekunden entwickele ich
den Film zu einem leicht erhöhten Gamma von 0,65. Eine den
Kontrast leicht verstärkende Entwicklung ist deshalb zu
empfehlen, weil es recht
häufig vorkommt, dass Negative leicht verschleiert sind ( ich
meine damit nicht die oben besprochenen total verschleierten Negative!
).
Dieser leichten Verschleierung kann man mit einer etwas forcierten
Entwicklung gut entgegensteuern.
Stärker verschleierte Negative können gerettet
werden, indem man sie auf den steil arbeitenden Agfa-Skala
Schwarzweiß-Diafilm
umkopiert - vorausgesetzt man verfügt über ein
Makro-Objektiv und ein Diakopiereinrichtung. Wenn diese Prozedur noch
nicht ausreichen sollte,
so kann man es mit dem zweifachen Umkopieren auf einen
orthochromatischen Film versuchen. Leider ist der Agfaortho 25 nicht
mehr erhältlich,
aber es soll einen entsprechenden Film von Maco geben. Diese Filme
sollten aber weich entwickelt werden ( der Agfaortho 25 wurde
mit 11 DIN belichtet und in Rodinal 1 + 20 vier Minuten lang entwickelt
). Achtung: Bei Verwendung eines orthochromatischen Filmes sollte das
zu kopierende Negativ nicht mit Glühlampenlicht durchleuchtet
werden, denn der erhöhte Rotanteil des
Glühlampenlichtes führt in Verbindung
mit dem orthochromatisch sensibilisierten, rotblinden Ortho-Film zu
Unterbelichtungen!
Wegen seines hohen Silbergehaltes muss der Infrarot-Film doppelt
so lange fixiert werden ( 10 Minuten mit Tetenal-Superfix )
und das Fixierbad
hält nur halb so lange wie gewöhnlich ( in einem
Liter Superfix sollten nicht mehr als 8 Infrarot-Filme fixiert werden ).
Gegenüber normalem Schwarzweiß-Film ist ebenfalls
die Wässerungszeit zu verlängern.
Es empfiehlt sich, vorher einen Auswässerungsbeschleuniger
wie z.B. Lavaquick von Tetenal zu verwenden. Danach dauert die
Wässerungszeit bei ständigem Wasserdurchlauf (
Jobo-Cascade ) zehn Minuten.
Wegen des dünnen Filmträgers neigt der Film
stärker dazu, sich nach dem Trocknen einzurollen. Er sollte
deshalb, ausreichend beschwert,
2 Tage länger aufgehängt werden als ein normaler
Film. Je nach Planlage empfiehlt es sich, beim
Vergrößern eine Glasbildbühne zu verwenden.
Apropos Vergrößerung: Die Dicke der Emulsion ( nicht
zu verwechseln mit dem dünnen Träger! ) und die
Tatsache, dass Infrarot-Negative oftmals
stärker gedeckt sind, führt in der Regel zu erheblich
längeren Belichtungszeiten als bei normalen
Schwarzweiß-Negativen.
Um den herrlichen "Aura-Effekt", der vielen Infrarotaufnahmen zu eigen
ist ( wie gesagt, er resultiert aus dem fehlenden
Reflexionslichthofschutz
des Filmes ), noch zu unterstreichen, empfiehlt sich die Verwendung
einer harten Gradation. Dass damit nicht das letzte Quentchen an
Tonwerten erzielt werden kann, spielt keine Rolle, da man das Erreichen
von maximal ausdifferenzierten Tonwerten in der Infrarot-Fotografie
wegen des kurzen geradelinigen Teiles der Schwärzungskurve des
Filmes ohnehin vergessen kann. Wegen dieser Eigenschaft des Filmes
sollte
man sich auch auf umfangreiches Nachbelichten und Abhalten im
Printprozess einstellen.
Zur Aufnahmetechnik:
Wegen der größeren
Wellenlänge der Infrarotstrahlen besteht eine Fokusdifferenz
zwischen ihnen und dem sichtbaren Licht: Die Infrarotstrahlen
fokussieren in einem Punkt, der etwas hinter der Bildebene liegt. In
der Praxis bedeutet dies, dass die mit dem sichtbaren Licht gemessene
Entfernung korrigiert ( verkürzt ) werden muss. Dies gilt vor
allem für den Weitwinkelbereich. Je stärker das
Weitwinkel, desto mehr muss
korrigiert werden. Ab ca. 135 mm Brennweite kann die Korrektur
vernachlässigt werden, wenn ausreichend abgeblendet wurde;
apochromatisch
korrigierte Objektive bedürfen generell keiner Korrektur, weil
auch die Rotanteile des Lichtes und die infraroten Strahlen in der
Bildebene
fokussieren. Der Autofokus ist selbstverständlich abzuschalten.
Die meisten Objektive besitzen einen Infrarot-Index, dem die gemessene
Entfernung einfach gegenübergestellt wird. Ist ein solcher
Index nicht
vorhanden, so sollte für eine
größtmögliche Schärfentiefe
gesorgt werden. Man kann sich aber auch die Mühe machen und
anhand von Probeaufnahmen
den Infrarot-Index des jeweiligen Objektives festlegen. Dazu stellt man
die Kamera auf ein Stativ, blendet vollkommen auf und visiert im
Unendlichkeitsbereich ein Motiv an, das möglichst gut
erkennbare Strukturen aufweist. Dann macht man eine Aufnahmereihe,
wobei in der
Unendlichkeitsstellung angefangen und pro weiterer Aufnahme die
Entfernungs-einstellung um ca. 2 mm verstellt wird. Für jede
Aufnahme
fertigt man eine kleine Skizze der jeweils eingestellten Entfernung an.
Das schärfste Negativ gibt dann an, um wieviel Millimeter man
die
Entfernungseinstellung verkürzen muss. Diese Stelle kann man
sich dann am Objektiv markieren, z.B. mit einem selbstklebenden roten
Pfeil
oder Punkt, wie er in Schreibwarengeschäften
erhältlich ist.
Wegen des Schwarzschildeffektes sollte bei einer
Langzeitbelichtung die Blende ab einer Belichtungszeit von 1 Sekunde um
einen halben Wert,
ab 10 Sekunden um einen vollen Wert und ab 100 Sekunden um zweieinhalb
Werte geöffnet werden.
Auch wenn der Infrarot-Film meistens bei Sonnenlicht im Freien
verwendet werden wird, so sind doch ebenso gut Aufnahmen bei
Kunstlicht möglich.
Licht von weniger als 3400 Kelvin ( Halogen-, Photolampen-,
Glühlampen- und Kerzenlicht ) weist einen höheren
Anteil von Infrarotstrahlen auf
als durchschnittliches Tageslicht. Der Film ist folglich empfindlicher
geworden und muss daher gegenüber der Messung ca. einen LW in
den
Minusbereich hin korrigiert werden, bzw. am Belichtungsmesser sind 30
DIN/800 ASA einzustellen ( mit Rotfilter ).
Bei glühendem Kunstlicht kann man auch den Rotfilter abnehmen,
da dieses Licht nur noch wenig Blauanteile hat, die ausgesperrt werden
müssten.
Als Anhaltspunkt für die Belichtung kann man in diesem Fall
von 21 DIN/100 ASA ausgehen. Allerdings unterscheiden sich die
Aufnahmen mit und
ohne Rotfilter nur noch wenig, da in beiden Fällen fast nur
noch das rote Spektrum und der Infrarotbereich bildwirksam wird. Die
Bilder werden
ähnlich wie normale Schwarzweiß-Bilder mit
akzentuiertem Korn und schönen überstrahlten
Hell-/Dunkelverläufen.
Nächtliche Szenen im Freien hingegen
werden in der Regel von Leuchtquellen diskontinuierlichen Spektrums
beleuchtet, die keine Infrarotanteile
abgeben; die typischen Infrarot-Effekte sind daher nicht zu erzielen.
Mit Ausnahme der überstrahlten Spitzlichter gleichen die
Bilder denjenigen,
die mit normalem Schwarzweiß-Film gemacht wurden. Dennoch
eignet sich der Infrarot-Film gerade wegen seines groben Kornes und der
Überstrahlungen
hervorragend auch für Nachtaufnahmen im Freien. Die beste Zeit
hierfür ist - wie in der normalen Fotografie auch - nicht die
Nacht, sondern die
fortgeschrittene Dämmerung. Sehr gute Belichtungsergebnisse
habe ich mit einem auf Lichtmessung eingestellten hochempfindlichen
Hand-Belichtungsmesser ( Lunasix F ) bei 18 DIN/50 ASA erzielt.
So einfach funktioniert die Infrarotfotografie:
1. Film bei absoluter Dunkelheit einlegen und herausnehmen
2. Kameraeinstellungen wie folgt:
2.1. Zeitautomatik oder
manuelle Belichtung ( kleine Blende wählen )
2.2. Integral- oder Spotmessung
2.3. Autofocus ausschalten
2.4. 27 DIN/400 ASA einstellen
3. Rotfilter 25 A
4. Belichtung durch das Objektiv messen und gemessene Entfernung dem
Infrarot-Index
gegenüberstellen
5. Nach Vorschrift entwickeln, doppelt so lange fixieren und
wässern.
Wenn Sie also das nächste Mal am Kühlschrank Ihres
Fotohändlers vorbeikommen, gehen Sie nicht vorbei, bleiben Sie
stehen und greifen Sie beherzt zu.
Glauben Sie mir: Es lohnt sich!
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