In dieser Rubrik werde ich ab und zu etwas zu meiner Fototechnik schreiben und hoffe, Ihnen damit die eine oder andere Anregung geben zu können.

PDF-Artikel über die Burgen-Panorama-Infrarot-Fotografie aus der SCHWARZWEISS Nr. 76
(555KB)

PDF-Artikel "Tonwert- und Kontraststeuerung mit Filtern" Teil II aus der SCHWARZWEISS Nr. 60
(252KB)

PDF-Artikel "Tonwert- und Kontraststeuerung mit Filtern" Teil I aus der SCHWARZWEISS Nr. 59
(142KB)

PDF-Artikel "Die Perspektive" aus der SCHWARZWEISS Nr. 51
(908KB)

PDF-Artikel Teil V (Ende) meiner Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus der Fine Art Foto 2/2006
(251KB)

PDF-Artikel Teil IV meiner Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus der Fine Art Foto 1/2006
(308KB)

PDF-Artikel Teil III meiner Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus der Fine Art Foto 4/2005
(319KB)

PDF-Artikel Teil II meiner Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus der Fine Art Foto 3/2005
(344KB)

PDF-Artikel Teil I meiner Fortsetzungsserie "Schritt für Schritt zum Zonensystem" aus der Fine Art Foto 2/2005
(278KB)

PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 49 über die Nachtaufnahmetechnik
(1027KB)

PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS 48 "Von der Aufnahme zum feinen Bild"
(511KB)

PDF-Artikel meines Workshops "Von der Aufnahme zum feinen Bild" aus der SCHWARZWEISS 41
(488KB)

PDF-Artikel aus der Fine Art Foto 1/2005 Sehen, Erkennen, Gestalten
(78KB)

PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 43 über die neuen Moersch Positiventwickler Separol
(1015KB)

PDF-Artikel aus der Fine Art Foto 2/2004: Die Vorbelichtung von Schwarzweißfilmen als Mittel der Kontraststeuerung
(166KB)

PDF-Artikel aus der SCHWARZWEISS Nr. 36:
MZB – ein neuer Negativentwickler mit eingebautem Kontrastausgleich
(233KB)

PDF-Artikel aus der Fine Art Foto Nr. 2/03:
Nachtaufnahmen in Schwarzweiß
(147KB)

In der PHOTOGRAPHIE, Ausgabe 5/03 ist ebenfalls ein Artikel von mir über den Negativentwickler MZB veröffentlicht worden. Das Heft kann beim Verlag bezogen werden.



Infrarotfotografie

Aufnahmetechnik und Verarbeitung des Kodak Schwarzweiss-Infrarotfilms HIE

Wer kennt sie nicht, jene Fotografien mit dem surrealen Charakter schneeweißer Sommerlandschaften mit tiefschwarzem Himmel, die mit ihren hohen Kontrasten und herrlichen Überstrahlungen den Betrachter regelrecht anleuchten? Man muss sie nicht mögen, aber sehr viele Betrachter sind von diesen Bildern regelrecht fasziniert, denn sie sprechen die Gefühlsebene an wie kaum eine andere Bildtechnik.
Allerdings steht der Kodak Infrarot-Film in dem Ruf, schwierig zu verarbeiten, ja geradezu kapriziös zu sein, was viele davon abhält, ihn auszuprobieren. Noch vor kurzem konnte man lesen, er sei im Handling sehr schwierig, was so pauschal keineswegs zutrifft. Allenfalls ist er ein klein wenig ein Sensibelchen. Wenn man sich aber auf ihn eingestellt hat, kann aus dem Sensibelchen durchaus ein verläßlicher Partner werden, mit dem man viel Freude haben kann. Die folgenden Ausführungen wollen Ihnen hierzu handfeste und nachvollziehbare Tipps geben.

Die Sonne strahlt eine Unzahl von elektromagnetischen Wellen aus, von denen wir nur einen ganz geringen Teil visuell wahrnehmen können. Diese sichtbaren Wellen, wir nennen sie das Licht, haben eine Wellenlänge von ca. 380 - 730 Nanometer ( nm ). Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Dieses sichtbare Spektrum setzt sich wiederum aus verschiedenen Farben zusammen, die jede eine bestimmte Wellenlänge hat. Von violett über blau, grün, gelb, orange und rot nimmt die Wellenlänge zu. An die kurzwellige Seite des sichtbaren Spektrums, also an violett, grenzt das unsichtbare ultraviolette Licht ( UV-Licht ) an, das zwar nicht vom Menschen, wohl aber von den Filmen wahrgenommen wird. An den langwelligen ebenfalls noch sichtbaren Bereich des roten Lichtes grenzt der unsichtbare Infrarot-Bereich. Der Infrarot-Bereich seinerseits wird unterteilt in einem dem sichtbaren Spektrum nahen Bereich, für den der Infrarot-Film teilweise ( bis 900 nm ) sensibilisiert ist und einen fernen Infrarot-Bereich, den wir als Wärme empfinden. Weil der Infrarot-Film nur bis 900 nm sensibilisiert ist, kann er keine infraroten Wärmestrahlungen wiedergeben.

Im Prinzip ist er ein normaler Schwarzweiß-Film mit einer in den nahen Infrarot-Bereich erweiterten Sensibilisierung. Bedingt durch die notwendige Filterung, gibt er allerdings die Farben in etwas anderen Grautönen wieder als ein normaler panchromatischer Schwarzweiß-Film. So kommen violette, blaue und grüne Farben fast schwarz, ebenso dunkle Naturfaser-Materialien, während rötliche Gegenstände, viele synthetische Stoffe und die menschliche Haut deutlich aufgehellt werden. Lebendes Grün hingegen reflektiert sehr viel infrarotes Licht und wird daher fast weiß wiedergegeben ( Wood-Effekt ). Die Vielfalt der Tonwerte wird durch den Film vermehrt in Richtung Schwarz oder Weiß reduziert, so dass Infrarotbilder schon deshalb kontrastreicher wirken als normale Schwarzweißbilder.

Zur Belichtung:

Da der Infrarot-Film für das sichtbare Licht stärker sensibilisiert ist als für das nichtsichtbare infrarote Spektrum, muss zunächst dafür Sorge getragen werden, dass das sichtbare Licht weitestgehend oder ganz ausgesperrt wird. Nur so kann das infrarote Licht überhaupt bildwirksam werden.
Dies geschieht durch Verwendung entweder eines Rotfilters 25 A, der das ultraviolette, violette, blaue und grüne Licht sperrt oder durch einen Schwarzfilter 87, der alles sichtbare Licht, also auch das rötliche Spektrum, aussperrt und nur reines infrarotes Licht passieren lässt. Ohne Filter wirken die Infrarot-Bilder fast wie normale, grobkörnige Schwarzweiß-Bilder.
Die Frage, welchen Filter man sinnvollerweise verwenden sollte, ist schnell entschieden, denn der Schwarzfilter 87 ist in seiner Bildwirkung nicht wesentlich besser als der Rotfilter 25 A. Zwar werden sonnenbeschienene Laubbäume eine Spur weißer wiedergegeben als mit dem Rotfilter ( bei bedecktem Himmel unterscheidet sich die Bildwirkung beider Filter so gut wie nicht ), aber der Schwarzfilter beschränkt deutlich die Aufnahmemöglichkeiten, weil man die Belichtungsmessung nicht verwenden kann. Der Schwarzfilter sperrt ja alles sichtbare Licht, man kann also nicht durch den Filter durchsehen und auch der Belichtungsmesser, der ebenfalls nur das sichtbare Spektrum wahrnimmt, ist sozusagen blind. Ein Stativ ist also unumgänglich, der Schwarzfilter eignet sich daher nur für statische Motive.
Apropos Stativ: Ich rate dringend dazu, stets ein solches zu benutzen, denn auch mit Rotfilter hat der Film nur eine ausnutzbare Empfindlichkeit von ca.18 DIN/50 ASA. Wenn man dann noch wegen der Fokusdifferenz, auf die ich später noch zu sprechen komme, sicherheitshalber stark abblendet, so kann man selbst bei Sonnenschein leicht in den Bereich unsicherer Belichtungszeiten kommen. Infrarotfotografie ist wegen dieser Fokusdifferenz ohnehin keine Schnellschussfotografie, so dass man in den meisten Fällen schon motivbedingt Zeit hat, ein Stativ aufzustellen. Und warum auf etwas verzichten, was stets optimale Bildschärfe garantiert?

Kodak fordert in seinen Datenblättern ultimativ, dass die Belichtung ohne Filter mit einer Empfindlichkeitseinstellung von 18 DIN/50 ASA für den Rotfilter 25 A vorzunehmen ist und warnt andernfalls vor Überbelichtungen. Eine solche externe Belichtungsmessung ist meines Erachtens absolut nicht nötig, man kann ohne weiteres mit aufgesetztem Rotfilter durch das Objektiv messen, wobei 27 DIN/400 ASA als Richtwert einzustellen ist. Da der Rotfilter 25 A einen durchschnittlichen Verlängerungsfaktor von 8x, also 3 Lichtwerten, aufweist, entspricht dies im Ergebnis, jedenfalls was die ausnutzbare Empfindlichkeit anbelangt, den Angaben von Kodak, nur ist die TTL-Messung wesentlich bequemer und erschließt in Grenzen auch bewegte Motive. Zu beachten ist, dass Mehrfeldmessungen ungeeignet sind, weil der dichte Rotfilter diesen "Nachtaufnahmen" vorgaukelt und die Mehrfeldmessungen dann zu stark gegenlenken. Am unproblematischsten funktioniert eine mittenbetonte Integralmessung, aber auch die Spotmessung ist, mit Bedacht angewandt, sehr gut geeignet.
Der Infrarotanteil des Lichtes lässt sich ohnehin nicht exakt bestimmen bzw. messen. Bei der Belichtungsmessung macht man sich einfach die Erkenntnis zunutze, dass in den meisten Fällen vom Anteil des messbaren sichtbaren Lichtes auf den Anteil des unmessbaren unsichtbaren infraroten Lichtes geschlossen werden kann. Alles Weitere sind Erfahrungswerte, auf die ich noch eingehen werde.



Nicht schaden kann es, wenn man sich ausserdem über die Besonderheiten des Schwärzungsverhaltens des Infrarot-Filmes im Klaren ist.
Der geradlinige Bereich der Schwärzungskurve, der Bereich der proportionalen Belichtung also, bei dem eine Verdoppelung der Belichtung auch eine Verdoppelung der Schwärzung des Filmes bewirkt, ist beim Infrarotfilm deutlich kürzer als bei vergleichbaren panchromatischen Filmen. Hinzu kommt, dass der Steigungswinkel größer ist, der Film also auch noch steiler arbeitet. Dies hat die Konsequenz, dass der vollständige Motivkontrast so gut wie nie auf diesen geradelinigen Bereich der Schwärzungskurve zu bringen ist. Er fällt fast immer auch in den Bereich des Durchhanges der Schwärzungskurve ( Unterbelichtungsbereich ) bzw. in den ausgeprägten Schulterbereich ( Überbelichtungsbereich ), mit der Folge von schlecht durchgezeichneten Schatten und ebenso wenig differenzierten Lichtern. Dies gilt umso mehr, als man mit dem Infrarot-Film in der Regel bei Sonnenschein fotografiert, unter Lichtbedingungen also, bei denen ohnehin ein hoher Motivkontrast vorherrscht. Für den Positivprozess bedeutet dies die Notwendigkeit eines umfangreichen Nachbelichtens der Lichter bzw. Abwedelns der Schatten, wobei jedoch angemerkt werden muss, dass es nur dort etwas nachzubelichten bzw. abzuwedeln gibt, wo das Negativ überhaupt noch eine Zeichnung hat. Was also tun?

Am Besten, man macht aus der Not eine Tugend, versucht erst gar nicht die einzig optimale Belichtung zu treffen, die es beim Infrarot-Film ohnehin nicht im gleichen Maße gibt, wie bei einem gewöhnlichen Schwarzweiß-Film und macht sich die besonderen Eigenarten des Infrarot-Filmes zunutze:
Denn je nach eigenem Geschmack oder Bildintention, kann man beim Infrarot-Film drei Bereiche "richtiger" Belichtung unterscheiden, die zu völlig unterschiedlichen Bildergebnissen führen, weil insbesondere der Kontrast und die Körnigkeit stark differieren, je nachdem auf welchen Bereich der Schwärzungskurve das Belichtungsintervall gelegt wird:

· Überbelichtet man den Film ( Belichtungsmessereinstellung 21 DIN/100 ASA ), legt man also das Belichtungsintervall in die Schulterregion der Schwärzungskurve, so erhält man kontrastarme Fotos, die sich durch eine extreme Körnigkeit auszeichnen. Die Schattenbereiche werden zwar sehr gut differenziert, sie werden aber nicht mehr schwarz, sondern grau wiedergegeben und die Lichter sind nicht mehr ausreichend getrennt, sondern sie verweisslichen. Wem es also auf extreme Körnigkeit ankommt, sollte 2 Lichtwerte überbelichten. Es entsteht dann ein surrealer Bildeindruck, der sehr reizvoll sein kann, auch wenn die Schatten keine Kraft haben und der Kontrast sehr niedrig ist.

· Belichtet man den Film normal ( 27 DIN/400 ASA ), so erhält man ein moderates aber noch akzentuiertes Korn und einen relativ normalen Kontrast. Die Schatten sind kräftig und gut durchgezeichnet und die Lichter so ausreichend differenziert, dass sie durch Nachbelichten gut dargestellt werden können. Man erhält ein ausgewogenes Infrarotbild, das alle Vorzüge dieser Technik aufweist.

· Unterbelichtet man den Film ( 33 DIN/1600 ASA ), so erzielt man einen sehr hohen Kontrast, verbunden mit einer deutlich geringeren Körnigkeit. Die Schatten sind zwar nicht optimal durchgezeichnet, aber tief und so richtig knackig und die Lichter, die teilweise auf der Schwärzungskurve nach links in den Bereich der proportionalen Belichtung gerutscht sind, sollten beim Vergrößern ggfs. abgehalten werden, um nicht zu grau zu kommen. Durch den fehlenden Reflexionslichthofschutz des Infrarot-Filmes kommt es wegen des hohen Kontrastes zu besonders ausgeprägten Überstrahlungen; die Fotos wirken kontrastreich und soft zugleich.

Wie man also belichtet ist weitestgehend Geschmackssache. Die einzigartige Steuerbarkeit des Infrarotfilmes hinsichtlich des Kontrastes und der Körnigkeit eröffnet dem Fotografen Möglichkeiten, die er mit einem gewöhnlichen Schwarzweiß-Film in solch ausgeprägtem Maße entbehren muss.

Auf keinen Fall bedarf es ständiger Belichtungsreihen, wie oft empfohlen wird. Diese kommen im wahrsten Sinne des Wortes nur teuer zu stehen und können trotzdem nicht verhindern, dass Negative ab und zu verschleiert sind oder dass, was selten ist, gar kleine runde Löcher in der Emulsion vorkommen. Insoweit bleibt die Infrarot-Fotografie immer etwas "Erlebnisfotografie" - auch das macht ihren Reiz aus. Hundertprozentig sicher kann man nie sein, aber man kann durch Erfahrung, Sorgfalt und Standardisierung eine sehr hohe Trefferquote erzielen.
Vorsicht ist z.B. immer geboten, wenn man von chlorophyllhaltigem Blattwerk geradezu umzingelt ist, isb., wenn der offene Himmel von dem Laubwerk verdeckt wird. Negative, die unter solchen Bedingungen aufgenommen werden, neigen mitunter dazu, völlig zuzugehen. Sie sehen dann aus, als wären sie nicht nur hoffnungslos überbelichtet, sondern auch noch unterentwickelt worden. Abhilfe schafft hier aufnahmeseits eine zweite Belichtung als Sicherheitsbelichtung, die ca. zweieinhalb Lichtwerte knapper sein sollte als für die Erstaufnahme gemessen. Das Tückische dabei ist nur, dass man auch unter den oben beschriebenen Bedingungen niemals hinreichend sicher voraussagen kann, ob es zu einer solchen Verschleierung kommt, so dass die meisten Sicherheitsbelichtungen umsonst sind. Andererseits können Negative verschleiert sein, von denen man dies bei der Aufnahme niemals erwartet hätte. Ich bin daher dazu übergegangen, auf Sicherheitsbelichtungen ganz zu verzichten, es sei denn, die Aufnahme verspricht einzigartig und nicht wiederholbar zu werden.
Manchmal wird auch empfohlen, am Abend, wenn der Infrarotanteil zunimmt, knapper zu belichten. Nach meinen Erfahrungen ist dies jedoch nicht notwendig. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass die Schattenzeichnung durch eine zu knappe Belichtung zu sehr leidet.

Zum Handling:

Die absolut wichtigste Regel bei der Infrarot-Fotografie, deren Nichtbefolgung immer bestraft wird, ist die, dass der Film nur bei absoluter Dunkelheit in die Kamera eingelegt und aus ihr herausgenommen werden darf. Der Grund hierfür liegt in dem extrem dünnen Polyesterträger des Films, der zur Folge hat, dass dessen Anfangslasche als Lichtleiter fungieren kann ( so meint es zumindestens Kodak ), bzw. dass das Patronenmaul nicht dicht genug schließt.
Nach dem Belichten muss der Film sofort in die Patrone zurückgespult werden. Er darf zur Sicherheit außerdem nur in der infrarotsicheren Originaldose verwahrt werden.
Am Besten ist es, den Film stets in einem großen Wechselsack in die Kamera einzulegen und zu entnehmen. Auf Reisen ist dieses äußerst nützliche Teil ohnehin unumgänglich. Die Wechselsäcke der Firma Brenner, Weiden und die Hama-Modelle sind infrarotsicher. Uhren mit Leuchtzifferblättern sind vorher auszuziehen. Bei den Nikon-Modellen F 801s und F-90x, sollte die Kamera erst eingeschaltet werden, nachdem die Rückwand geschlossen wurde, denn es schaltet sich sonst im Dunkeln automatisch die Beleuchtung für die Sucheranzeige ein. Canon-EOS-Kameras wird nachgesagt, dass sie für die Infrarot-Fotografie ungeeignet seien, weil sie für diverse Steuerungen Infrarotlicht verwenden. Ebenso die Nikon F 80. Dies nur als Hinweis, ob es zutrifft, habe ich nicht ausprobieren können. Auch alte Kamera-Schlitzverschlüsse aus Tuch sind mitunter nicht infrarotsicher. Die günstigste Position mit dem Wechselsack ist sitzend, den Wechselsack mit Inhalt auf den Oberschenkeln aufgelegt.

Der Film sollte stets kühl gehalten werden, wo immer möglich. Auf Reisen ist eine elektrische Auto-Kühltasche vorteilhaft, sie ist aber kein unbedingtes Muss.
War der Film gekühlt, so muss er ( in der Patrone! ) vor dem Einlegen ca. eineinhalb Stunden akklimatisiert werden. Er sollte schnellstmöglich nach dem Belichten verarbeitet werden. Aber auch hierbei ist keine Hektik angesagt. Eine Entwicklung, die reisebedingt erst 4 Wochen nach dem Belichten möglich war, stellt normalerweise kein Problem dar. Im Grunde genommen will der Infrarot-Film ebenso sorgfältig behandelt werden, wie jeder andere Film auch. Dass die Kamera nicht im Hochsommer im Handschuhfach aufbewahrt und im Winter nicht auf die Heizung gelegt wird, versteht sich von selbst. Wer seinen gesunden Menschenverstand gebraucht und den Film stets so gut behandelt, wie es die Umstände zulassen, wird selten Probleme bekommen. Also: Stets kühlen, wo immer dies möglich ist, aber nie auf die Infrarot-Fotografie verzichten, nur weil die Umstände nicht optimal sind! So habe ich Infrarot-Filme ohne irgendwelche Beanstandungen verwenden können, die im Gefrierfach gelagert worden waren und deren Verfallsdatum schon um zwei Jahre überschritten war.

Kodak empfiehlt, den Film stets bei völliger Dunkelheit zu verarbeiten. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht nötig, wenn man eine Kindermann-Edelstahldose oder einen Jobo-Kipptank benutzt. Beide sind zumindestens bei schwachem, gelbgrünen Dukalicht infrarotsicher. Beim Einlegen in die Dose müssen allerdings auch alle nachleuchtenden Gegenstände ( Uhrenzifferblätter etc. ) entfernt werden.

Als Entwickler eignen sich besonders gut die sogenannten unechten Feinkornentwickler wie z.B. Kodak D-76 oder X-TOL bzw. der mit D-76 baugleiche Ilford ID-11 oder auch Tetenal Ultrafin Plus. Auch Tetenals Zweibad-Feinkorn-Ausgleichsentwickler Emofin ist zu empfehlen. Wem es hauptsächlich auf das Korn, verbunden mit einer beachtlichen Kantenschärfe, ankommt, der sollte zu Agfa Rodinal greifen ( Agfa macht keine Angaben zur Dauer der Entwicklungszeit; eigene Versuche ergaben für Rodinal 1 + 25 sechs Minuten unter Anwendung des Agfa-Kipprhythmus ).
Keinen Sinn macht es, einen Entwickler nach dem anderen auszuprobieren. Arbeiten Sie sich auf einen ein und bleiben Sie dabei, so erzielen Sie langfristig die besten Ergebnisse. Wie schon gesagt, Standardisierung ist besonders bei der Infrarot-Fotografie ein Erfolgsgeheimnis.
Ich persönlich verwende ausschließlich Kodaks neueren XTOL-Entwickler, in der Verdünnung 1 + 1. In 9 Minuten 45 Sekunden entwickele ich den Film zu einem leicht erhöhten Gamma von 0,65. Eine den Kontrast leicht verstärkende Entwicklung ist deshalb zu empfehlen, weil es recht häufig vorkommt, dass Negative leicht verschleiert sind ( ich meine damit nicht die oben besprochenen total verschleierten Negative! ). Dieser leichten Verschleierung kann man mit einer etwas forcierten Entwicklung gut entgegensteuern.
Stärker verschleierte Negative können gerettet werden, indem man sie auf den steil arbeitenden Agfa-Skala Schwarzweiß-Diafilm umkopiert - vorausgesetzt man verfügt über ein Makro-Objektiv und ein Diakopiereinrichtung. Wenn diese Prozedur noch nicht ausreichen sollte, so kann man es mit dem zweifachen Umkopieren auf einen orthochromatischen Film versuchen. Leider ist der Agfaortho 25 nicht mehr erhältlich, aber es soll einen entsprechenden Film von Maco geben. Diese Filme sollten aber weich entwickelt werden ( der Agfaortho 25 wurde mit 11 DIN belichtet und in Rodinal 1 + 20 vier Minuten lang entwickelt ). Achtung: Bei Verwendung eines orthochromatischen Filmes sollte das zu kopierende Negativ nicht mit Glühlampenlicht durchleuchtet werden, denn der erhöhte Rotanteil des Glühlampenlichtes führt in Verbindung mit dem orthochromatisch sensibilisierten, rotblinden Ortho-Film zu Unterbelichtungen!

Wegen seines hohen Silbergehaltes muss der Infrarot-Film doppelt so lange fixiert werden ( 10 Minuten mit Tetenal-Superfix ) und das Fixierbad hält nur halb so lange wie gewöhnlich ( in einem Liter Superfix sollten nicht mehr als 8 Infrarot-Filme fixiert werden ).

Gegenüber normalem Schwarzweiß-Film ist ebenfalls die Wässerungszeit zu verlängern. Es empfiehlt sich, vorher einen Auswässerungsbeschleuniger wie z.B. Lavaquick von Tetenal zu verwenden. Danach dauert die Wässerungszeit bei ständigem Wasserdurchlauf ( Jobo-Cascade ) zehn Minuten. Wegen des dünnen Filmträgers neigt der Film stärker dazu, sich nach dem Trocknen einzurollen. Er sollte deshalb, ausreichend beschwert, 2 Tage länger aufgehängt werden als ein normaler Film. Je nach Planlage empfiehlt es sich, beim Vergrößern eine Glasbildbühne zu verwenden. Apropos Vergrößerung: Die Dicke der Emulsion ( nicht zu verwechseln mit dem dünnen Träger! ) und die Tatsache, dass Infrarot-Negative oftmals stärker gedeckt sind, führt in der Regel zu erheblich längeren Belichtungszeiten als bei normalen Schwarzweiß-Negativen. Um den herrlichen "Aura-Effekt", der vielen Infrarotaufnahmen zu eigen ist ( wie gesagt, er resultiert aus dem fehlenden Reflexionslichthofschutz des Filmes ), noch zu unterstreichen, empfiehlt sich die Verwendung einer harten Gradation. Dass damit nicht das letzte Quentchen an Tonwerten erzielt werden kann, spielt keine Rolle, da man das Erreichen von maximal ausdifferenzierten Tonwerten in der Infrarot-Fotografie wegen des kurzen geradelinigen Teiles der Schwärzungskurve des Filmes ohnehin vergessen kann. Wegen dieser Eigenschaft des Filmes sollte man sich auch auf umfangreiches Nachbelichten und Abhalten im Printprozess einstellen.

Zur Aufnahmetechnik:

Wegen der größeren Wellenlänge der Infrarotstrahlen besteht eine Fokusdifferenz zwischen ihnen und dem sichtbaren Licht: Die Infrarotstrahlen fokussieren in einem Punkt, der etwas hinter der Bildebene liegt. In der Praxis bedeutet dies, dass die mit dem sichtbaren Licht gemessene Entfernung korrigiert ( verkürzt ) werden muss. Dies gilt vor allem für den Weitwinkelbereich. Je stärker das Weitwinkel, desto mehr muss korrigiert werden. Ab ca. 135 mm Brennweite kann die Korrektur vernachlässigt werden, wenn ausreichend abgeblendet wurde; apochromatisch korrigierte Objektive bedürfen generell keiner Korrektur, weil auch die Rotanteile des Lichtes und die infraroten Strahlen in der Bildebene fokussieren. Der Autofokus ist selbstverständlich abzuschalten.
Die meisten Objektive besitzen einen Infrarot-Index, dem die gemessene Entfernung einfach gegenübergestellt wird. Ist ein solcher Index nicht vorhanden, so sollte für eine größtmögliche Schärfentiefe gesorgt werden. Man kann sich aber auch die Mühe machen und anhand von Probeaufnahmen den Infrarot-Index des jeweiligen Objektives festlegen. Dazu stellt man die Kamera auf ein Stativ, blendet vollkommen auf und visiert im Unendlichkeitsbereich ein Motiv an, das möglichst gut erkennbare Strukturen aufweist. Dann macht man eine Aufnahmereihe, wobei in der Unendlichkeitsstellung angefangen und pro weiterer Aufnahme die Entfernungs-einstellung um ca. 2 mm verstellt wird. Für jede Aufnahme fertigt man eine kleine Skizze der jeweils eingestellten Entfernung an. Das schärfste Negativ gibt dann an, um wieviel Millimeter man die Entfernungseinstellung verkürzen muss. Diese Stelle kann man sich dann am Objektiv markieren, z.B. mit einem selbstklebenden roten Pfeil oder Punkt, wie er in Schreibwarengeschäften erhältlich ist.

Wegen des Schwarzschildeffektes sollte bei einer Langzeitbelichtung die Blende ab einer Belichtungszeit von 1 Sekunde um einen halben Wert, ab 10 Sekunden um einen vollen Wert und ab 100 Sekunden um zweieinhalb Werte geöffnet werden.

Auch wenn der Infrarot-Film meistens bei Sonnenlicht im Freien verwendet werden wird, so sind doch ebenso gut Aufnahmen bei Kunstlicht möglich.
Licht von weniger als 3400 Kelvin ( Halogen-, Photolampen-, Glühlampen- und Kerzenlicht ) weist einen höheren Anteil von Infrarotstrahlen auf als durchschnittliches Tageslicht. Der Film ist folglich empfindlicher geworden und muss daher gegenüber der Messung ca. einen LW in den Minusbereich hin korrigiert werden, bzw. am Belichtungsmesser sind 30 DIN/800 ASA einzustellen ( mit Rotfilter ).
Bei glühendem Kunstlicht kann man auch den Rotfilter abnehmen, da dieses Licht nur noch wenig Blauanteile hat, die ausgesperrt werden müssten. Als Anhaltspunkt für die Belichtung kann man in diesem Fall von 21 DIN/100 ASA ausgehen. Allerdings unterscheiden sich die Aufnahmen mit und ohne Rotfilter nur noch wenig, da in beiden Fällen fast nur noch das rote Spektrum und der Infrarotbereich bildwirksam wird. Die Bilder werden ähnlich wie normale Schwarzweiß-Bilder mit akzentuiertem Korn und schönen überstrahlten Hell-/Dunkelverläufen.

Nächtliche Szenen im Freien hingegen werden in der Regel von Leuchtquellen diskontinuierlichen Spektrums beleuchtet, die keine Infrarotanteile abgeben; die typischen Infrarot-Effekte sind daher nicht zu erzielen. Mit Ausnahme der überstrahlten Spitzlichter gleichen die Bilder denjenigen, die mit normalem Schwarzweiß-Film gemacht wurden. Dennoch eignet sich der Infrarot-Film gerade wegen seines groben Kornes und der Überstrahlungen hervorragend auch für Nachtaufnahmen im Freien. Die beste Zeit hierfür ist - wie in der normalen Fotografie auch - nicht die Nacht, sondern die fortgeschrittene Dämmerung. Sehr gute Belichtungsergebnisse habe ich mit einem auf Lichtmessung eingestellten hochempfindlichen Hand-Belichtungsmesser ( Lunasix F ) bei 18 DIN/50 ASA erzielt.

So einfach funktioniert die Infrarotfotografie:

1. Film bei absoluter Dunkelheit einlegen und herausnehmen
2. Kameraeinstellungen wie folgt:
    2.1. Zeitautomatik oder manuelle Belichtung ( kleine Blende wählen )
    2.2. Integral- oder Spotmessung
    2.3. Autofocus ausschalten
    2.4. 27 DIN/400 ASA einstellen
3. Rotfilter 25 A
4. Belichtung durch das Objektiv messen und gemessene Entfernung dem Infrarot-Index     gegenüberstellen
5. Nach Vorschrift entwickeln, doppelt so lange fixieren und wässern.

Wenn Sie also das nächste Mal am Kühlschrank Ihres Fotohändlers vorbeikommen, gehen Sie nicht vorbei, bleiben Sie stehen und greifen Sie beherzt zu. Glauben Sie mir: Es lohnt sich!